Arzneimittelsicherheit im Alltag: Tabletten, Kapseln, Pflaster und Spritzen richtig anwenden
Bei der Abgabe eines Arzneimittels geht es um mehr als den Namen auf der Packung. Wir achten auch darauf, ob Dosierung, Menge und Anwendung plausibel sind und ob das Präparat zur persönlichen Situation passt.
Denn selbst ein korrekt verordnetes Medikament kann Probleme verursachen, wenn es falsch geteilt, zerkleinert, gelagert oder angewendet wird. Manche Schwierigkeiten zeigen sich erst im Alltag: Eine Tablette lässt sich nicht schlucken, ein Blister nicht öffnen oder ein Inhalator nicht richtig bedienen.
Genau hier beginnt Arzneimitteltherapiesicherheit, kurz AMTS. Wir prüfen mögliche Risiken, erklären die richtige Anwendung und suchen nach Lösungen, wenn eine Arzneiform nicht zum Alltag der betreffenden Person passt.
Warum Tabletten unterschiedlich wirken
Tabletten können sehr unterschiedlich aufgebaut sein. Manche geben ihren Wirkstoff schnell frei, andere über viele Stunden hinweg. Retardtabletten sind beispielsweise so entwickelt, dass der Wirkstoff kontrolliert und über einen längeren Zeitraum abgegeben wird.
Überzüge erfüllen bestimmte Aufgaben. Sie können den Wirkstoff vor der Magensäure schützen und dafür sorgen, dass er erst im Darm freigesetzt wird. Deshalb können sich auch die Einnahmehinweise unterscheiden.
Ob ein Medikament vor, während oder nach einer Mahlzeit eingenommen werden soll, hängt immer vom konkreten Präparat ab.
Darf man jede Tablette teilen?
Eine Kerbe auf einer Tablette bedeutet nicht automatisch, dass sie zur Halbierung der Dosis geeignet ist. Manche sogenannten Schmuckkerben erleichtern lediglich das Zerbrechen oder Schlucken.
Besonders bei Retardtabletten und magensaftresistenten Tabletten kann das Teilen problematisch sein. Wird der besondere Aufbau beschädigt, kann der Wirkstoff zu schnell oder am falschen Ort freigesetzt werden.
Soll eine Tablette geteilt werden, prüfen wir deshalb, ob das jeweilige Präparat dafür geeignet ist. Falls nicht, kann möglicherweise eine andere Wirkstärke oder Darreichungsform gewählt werden.
Darf man Kapseln öffnen oder Tabletten mörsern?
Auch Kapseln dürfen nicht grundsätzlich geöffnet und Tabletten nicht ohne Prüfung gemörsert werden. Durch das Zerkleinern können Schutzschichten oder Mechanismen zur verzögerten Wirkstofffreisetzung zerstört werden.
Deshalb sollte vor dem Öffnen, Teilen oder Mörsern immer geprüft werden, ob das konkrete Arzneimittel dafür geeignet ist.
Medikamente über eine Sonde geben
Besonders wichtig ist diese Prüfung bei Menschen, die Arzneimittel über eine Sonde erhalten.
Nicht jedes Medikament ist für die Sondengabe geeignet. Wir prüfen unter anderem:
- Darf die Tablette zerkleinert oder die Kapsel geöffnet werden?
- Ist das Arzneimittel für die Gabe über die vorhandene Sonde geeignet?
- Besteht die Gefahr, dass die Sonde verstopft?
- Gibt es eine besser geeignete Alternative?
Ist ein Medikament nicht sondengängig, suchen wir gemeinsam mit der behandelnden Praxis nach einer sicheren Lösung.
Weitere Darreichungsformen richtig anwenden
Arzneimittelpflaster richtig anwenden: Darf man sie zerschneiden?
Wirkstoffpflaster geben Arzneimittel über einen längeren Zeitraum durch die Haut ab. Sie werden unter anderem in der Schmerztherapie eingesetzt und benötigen eine besonders sorgfältige Beratung.
Viele Arzneimittelpflaster dürfen nicht zerschnitten werden. Dabei könnte die kontrollierte Wirkstoffabgabe verändert werden. Je nach Präparat besteht dann die Gefahr, dass zu viel Wirkstoff in zu kurzer Zeit freigesetzt wird.
Auch die Klebestelle, der Wechselrhythmus und der Umgang mit Wärme sind wichtig. Wir erklären Ihnen gerne, wie das jeweilige Pflaster sicher angewendet und entsorgt wird.
Fertigspritzen richtig anwenden und lagern
Thrombosespritzen und andere Fertigspritzen werden häufig für die häusliche Anwendung verordnet. Gerade bei der ersten Anwendung entstehen oft Unsicherheiten.
Wir zeigen, worauf beim Spritzen geachtet werden muss und wie das Arzneimittel gelagert wird. Manche Präparate benötigen Kühlung, andere werden bei Raumtemperatur aufbewahrt.
Entscheidend sind immer die Vorgaben für das konkrete Arzneimittel.
Inhalatoren richtig anwenden
Bei Inhalationsarzneimitteln reicht es nicht aus, nur den Wirkstoff zu kennen. Die richtige Atemtechnik und die korrekte Bedienung entscheiden mit darüber, ob das Medikament in der Lunge ankommt.
Je nach Inhalator unterscheiden sich die einzelnen Anwendungsschritte. Bei eingeschränkter Lungenfunktion, Problemen mit der Koordination oder geringer Kraft kann eine Inhalierhilfe sinnvoll oder notwendig sein. Daher schauen wir uns in regelmäßigen Kontrollen in der Apotheke an, wie Sie die Inhalation ausführen.
Wenn Tabletten, Verpackungen oder Inhalatoren Probleme bereiten
Nicht jede Darreichungsform ist für jeden Menschen gleichermaßen geeignet.
Rheuma oder eine eingeschränkte Beweglichkeit der Hände können das Öffnen von Verpackungen erschweren. Bei Schluckbeschwerden kommen möglicherweise Schmelztabletten, Tropfen oder andere Arzneiformen infrage. Auch Sehvermögen, Kraft und Geschicklichkeit spielen bei der sicheren Anwendung eine Rolle.
Solche Schwierigkeiten sollten angesprochen werden. Oft können wir eine Lösung finden, die besser zur persönlichen Situation passt.
Hilfreich sind zum Beispiel Hinweise wie:
„Die Tablette soll geteilt werden.“
„Ich bekomme Medikamente über eine Sonde.“
„Ich kann die Verpackung nicht öffnen.“
„Mit dem Inhalator komme ich nicht zurecht.“
Je mehr wir über die Anwendung Ihrer Arzneimittel im Alltag wissen, desto gezielter können wir beraten.
Medikationsberatung bei fünf oder mehr Medikamenten
Wer dauerhaft mehrere Arzneimittel einnimmt, muss unterschiedliche Dosierungen, Einnahmezeiten und Anwendungshinweise berücksichtigen. Dabei können Wechselwirkungen, Doppelmedikationen oder praktische Probleme leichter übersehen werden.
Für Menschen, die dauerhaft mindestens fünf ärztlich verordnete Medikamente einnehmen, kann die pharmazeutische Dienstleistung „Erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation“ infrage kommen.
Dabei analysieren wir strukturiert Ihre gesamte Medikation. Wir prüfen unter anderem Wechselwirkungen, Doppelverordnungen, Einnahmezeitpunkte und Schwierigkeiten bei der Anwendung. Die Ergebnisse werden anschließend in einem ausführlichen Beratungsgespräch besprochen.
Arzneimittel nicht ohne Prüfung verändern
Arzneimittelsicherheit bedeutet nicht nur, das richtige Medikament zu erhalten. Es muss auch richtig angewendet werden können.
Deshalb sollten Tabletten nicht eigenmächtig geteilt oder gemörsert, Kapseln nicht ungeprüft geöffnet und Pflaster nicht einfach zerschnitten werden.
Wir prüfen das konkrete Präparat, berücksichtigen persönliche Einschränkungen und unterstützen Sie dabei, eine sichere und praktikable Anwendung zu finden.